Eigentlich wollte ich Fluglotse werden. 

Wirklich! Ich hatte schon ein halbes Jahr Weiterbildung, Gesundheitstests und wiederholte Auswahlverfahren hinter mir. Dann entschied man sich, uns am letzten Tag noch auf Allergien zu testen. Ein paar Stunden später stand ich völlig perplex irgendwo in Hamburg - ohne Job und ohne Idee, was ich jetzt mit meiner Zukunft anfangen sollte. 

 

Der Weg von diesem entgeisterten Moment zu meinem eigenen veganen, umweltbewussten Fair Trade-Label war da noch nicht einmal sichtbar. Die Idee dazu sollte erst Jahre später kommen. Und so Wallstreet-Hollywood-mäßig das alles klingt: diese Jahre hatten typischerweise mit sehr viel schnellem Geld und einer harten Läuterung zu tun. Und mit der Suche nach meinem eigenen Weg in einer viel zu komplexen Welt.

 

Was ich an diesem kalten Herbsttag in Hamburg machte, war so klassisch, wie es verzweifelt war: Ich rief meine Eltern an und bat um Rat. Und kaum, dass ich mich versehen hatte, trug ich Anzug und Krawatte, studierte auf Kosten eines großen Geldhauses BWL und wurde zur Antithese eines gerechten, sozial- wie umweltbewussten Jobs: Bankkaufmann. Ein paar Jahre ging das gut. Ich beriet wohl betuchte Kunden für überzeugende Provisionen. Ich fühlte mich sogar eine Weile sehr wohl dabei, denn ich beriet meine Kunden immer nach bestem Wissen und Gewissen. 

 

Dennoch war es ein Leben wie Jeckyll & Hyde. Tagsüber feiner Zwirn, Cappuccino und schuften schuften schuften. Abends Cap, Jogginghose, Playstation und Entspannungszigarette.

 

Was würde man über mich sagen, wenn ich mal nicht mehr da bin? "Miguel war ein wirklich toller Berater- bis zuletzt!" Ist das der Traum? Sollte das alles sein? Sicher nicht! Ich wollte einen nachhaltigen Fußabdruck hinterlassen. Etwas worauf man stolz sein könnte. Mein eigener Beitrag, die Welt ein wenig besser zu machen. Etwas, das weder Mensch, Tier oder Natur ausbeutet, sondern - wenn auch im Kleinen - dieser Welt etwas zurückgibt. Klingt kitschig, nicht wahr? Aber der entscheidende Punkt ist: es sollte auch einzigartig sein, modern und, ja, stylish. Denn so sehr ich mich spätestens seit meiner Volljährigkeit für politische Alternativen zum Neoliberalismus sowie für Umwelt- und Tierschutz interessierte - meine Liebe zu Fashion schlägt bereits seit meinem zwölften Lebensjahr in mir. Während man als Kind noch viel zu oft Kleidung geschenkt bekam, obwohl man doch lieber ein neues Gameboy-Spiel oder irgendwelche Trading Cards bekommen hätte, so gab man spätestens in der Jugend sein ganzes "Vermögen" für Klamotten aus. Schon damals galt: keine Kompromisse.

 

Anfang 2015 besann ich mich auf diese Leidenschaft und in Vergessenheit geratenen Werte zurück. Wie könnten Kleidung und Accessoires aussehen, die nachhaltig und zugleich super-stylish sind? Klar, die Zeiten der Jutesäcke sind längst vorbei. Mittlerweile waren einige gute Labels aufgetaucht, die mit Biobaumwolle und Tencel gute Schnitte anboten. Aber das ging mir nicht weit genug. 

 

Ich wollte Materialien verwenden, die weitaus effizienter in ihrer Nachhaltigkeit waren. Was liegt da näher als Hanf, zerbrochene Skateboards, verunfallte Autos und nachhaltig bewirtschaftete Hölzer?

Und ich wollte Kleidung und Accessoires entwerfen, die dem Stil meiner jungen und querdenkenden Generation entsprachen. 

 

Eines Abends entstand in seeliger Ruhe aus dieser Idee der erste Scribble einer Sonnenbrille. Mein Freundeskreis reagierte dermaßen enthusiastisch auf die stümperhafte Kuli-Skizze, dass ich nicht anders konnte, als genau dort weiter zu machen. Es folgten über gut eineinhalb Jahre eine Vielzahl Muster und Designs, Herstellergespräche und schlaflose Nächte, Tests und Umfragen bei wildfremden Menschen auf der Straße. Das Ergebnis: Mein verwirklichter Traum where Fashion meets Sustainability.

 

Peace and Love

Euer Miguel

 

Besonderer Dank gilt:

Dustin Farrell

Geiznering Designs

Jens (Pionerds)